#1 Worum es bei der Diskussion um wirtschaftspolitische Zielsetzungen der Ökolibertären überhaupt geht von Hajo 14.01.2015 08:40

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Einige Vorbemerkungen

Die wirtschaftspolitischen Thesen der Ökolibertären sollten zeigen, daß es eine freiheitliche (eben libertäre) Perspektive zur Bewältigung der ökologischen und sozialen Krise der hochindustrialisierten Gesellschaften (wie der BRD 1984) gibt. Sie werden davon ausgehen, daß man sich jegliche Utopie in Form kleinkommunitärer autarker Einheiten (die angeblich in Harmonie und Glück mit der Natur leben, aber wo hat's das je gegeben?) abschminken kann, es sei denn man nehme einen Terrorstaat à la Pol Pot in Kauf und füge dem auch noch die gewaltsame Reduzierung eines großen Teils der Bevölkerung hinzu. Nein, das kann niemand wünschen (ich füge hinzu: mit dem ich bereit wäre, auch nur ein Wort zu wechseln).

Diese Thesen werden weiter davon ausgehen, daß jede Form von Organisation der Wirtschaft, also der Herstellung und Verteilung der Güter die auf der Mengenzuweisung beruht (also Planwirtschaft, aber auch die famose "ökologische Kreislaufwirtschaft"), einen autoritären und zentralisierenden Effekt erzeugt, den man nur durch einen ebenso komplizierten Kontrollapparat kontrollieren könnte (die Verwirklichte Rätedemokratie plus Kollektiveigentum), aber irgendwie scheint das ja alles nicht zu funktionieren. Und außerdem ist es ja auch die Frage, ob wir das alles so kompliziert wollen, wenn es doch auch viel einfacher ginge.

Denn das ist unsere These: der Markt, also die Verteilung der Güter über die Bildung von Preisen ist weder schlecht noch gut, es ist ein äußerst einfacher Mechanismus, der zudem die Rechte der Einzelnen (als Konsumenten) sehr wirkungsvoll zur Geltung bringt. Ganz und gar unsinnig ist die Behauptung, der Markt sei schuld an sozialer Ungerechtigkeit. Wie die Reichtümer (als Eigentum) verteilt sind, ist eine Frage der Politik und der politischen Gestaltung der Eigentumsrechte, aber nicht des Marktmechanismus. Wenn man also Ungerechtigkeiten beklagt, dann sollte man sich an die Politik wenden und nicht an den Markt. Weiter: Warum sollen Wettbewerb und Gewinne schlecht sein? Offensichtlich hängt dies Urteil doch von den Zielen und dem Ort ab, den der politische und kulturelle Konsens einer Gesellschaft dem Markt zuweist. Was für Rüstungs- und Kriegsproduktion von unserm Standpunkt aus fraglos zutrifft, wer würde gleiches behaupten, wenn es Wettbewerb und Gewinne um die bestmögliche Lösung bestimmter Fragen aus dem Bereich der Umweltpolitik gibt? Unsere These also besteht darin zu sagen, anstatt auf den Markt und die Marktwirtschaft einzuschlagen, sollten wir uns lieber überlegen, mit welchen konkreten ordnungspolitischen Konzeptionen wir eine Umkehr von wachstumsorientierten zu umweltschonenden Prämissen erreichen, dem Markt also einen anderen Ort zuweisen als er heute hat. In den folgenden Bruchstücken soll dies in Ansätzen bereits sichtbar werden.

Um es auf einen Slogan zu bringen: Jede Form der Planwirtschaft ist eine Garantie für Unfreiheit; die Marktwirtschaft ist keine Garantie für Freiheit, aber sie ist eine Möglichkeit - auch für die Freiheit von der Ökonomie!

Uli Hausmann, September 1984

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